Der Märchenerzähler Naceur-Charles Aceval zu Gast an der JGS

Märchenstunde(n) in der Jakob-Grimm-Schule! Allerdings keine Märchen aus der Feder ihres Namenspatrons, sondern des aus dem Maghreb stammenden Märchenerzählers Naceur-Charles Aceval. Bevor der seit 30 Jahren in Deutschland lebende Aceval den Schülern seine sehr anrührenden Märchen vortrug, berichtete er davon, wie er in der Zeit des Algerienkrieges in einer Familie von Nomaden aufgewachsen war. Seine Jugend wurde geprägt von den Entbehrungen und der Not, die ein Krieg überall in der Welt gerade für die Zivilbevölkerung mit sich bringt. Er schilderte eindrucksvoll, welche persönliche Bedeutung für ihn das Erzählen von Märchen in seiner Kindheit hatte: Im Zelt habe ihm seine Mutter Märchen vorgetragen, um ihn über den Hunger hinwegzutrösten. Immer wieder baute der Märchenerzähler auch seine arabische Muttersprache mit in seinen Vortrag ein, was die Zuhörer noch mehr in die Welt des Orients zu entführen vermochte. Seine leise, warme Stimme wurde von einer Mimik und Gestik begleitet, die das Erzählte geradezu plastisch vor Augen führen konnten. In all seinen Geschichten spielten Tiere eine Rolle, die in der Begegnung mit dem Menschen letztlich die größere Weisheit oder Schlauheit bewiesen. Der Zuhörer konnte dabei neu lernen, was uns in der heutigen Zeit immer mehr verloren zu gehen scheint: Die Fähigkeit nämlich, die innere Seele des Anderen zu verstehen und zu lernen, mit dessen Augen auf das eigene Tun zu blicken. So wurde die Märchenstunde zu einem neuen Unterrichtsfach: die Menschenkunde.

Bericht und Fotos: Rainer Lehn

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